Samstag, 28. Januar 2006

und der wind

zieht durch unsere türen, und wir frieren, drinnen und draußen. wir trauern der sonne nach. in den wänden hört man manchmal, dass etwas herunterrieselt. manchmal in der nacht. und der alte mann im ersten stock spielt für elise, zum einschlafen. und man denkt sich, das ist längst nicht mehr für elise, weil elise ist tot, und außerdem hat sie gar nicht elise geheißen, sondern therese. vielleicht spielt er für seine frau.
ich habe leider kein klavier mehr. ich habe eine gitarre, aber ich weiß nicht, für wen ich spielen soll. früher habe ich ein lied komponiert und habe an jemanden gedacht, den es damals noch nicht gegeben hat, aber von dem ich dachte, dass es ihn vielleicht einmal geben könnte. es war ein schönes lied, und ich spielte es dur und moll rauf und runter. ich habe es schon lange nicht mehr gespielt, und ich möchte es heute nicht spielen, denn wenn ich es heute spielen würde, müsste ich es in moll spielen.

der weg

und hinein kommt man natürlich nur durch unseren keller.
wir selbst waren erst einmal in unserem keller, und da fiel eine morsche leiter auf unseren kopf, und seitdem sind wir nicht mehr die, die wir einmal waren. wir hatten sozusagen einen schock erlebt, ein schockerlebnis also. der keller ist in diesem zustand seit 1750, also seit langen jahren. ein schmaler tunnel, der sich unter der last des hauses biegt, mit weichen wänden, in denen schilf aus über dreihundert jahren modert (wer rechnen kann...).
in den zellen sitzen lauter alte meister, also banale verbrecher. uralt und deswegen nicht mehr banal, und metaphysisch aufgelöst, eigentlich aber nur in co2. und eine zelle, das ist unsere, aber wir waren noch nie in ihrem inneren (da es uns graust). aber wir sind überzeugt davon, dass sie der weg ist, und dass der weg zum ziel führt. man muss sich nur vor den schlaffen holzscheiten hüten, die vor 150 jahren einmal ein liebesabeteuer zwischen einer französischen baronesse und einem altwiener jungadeligen heiß untermalen hätten sollen, und das ist über geblieben, totes holz, und sie haben sich nicht mehr gefunden, da das haus verdunkelt war und das holz im keller lag, und es war gefährlich, in dunkelheit den keller zu betreten, so wagte sich nicht einmal das resolute dienstmädchen, das eigentlich schon eine frau war, hinunter, und so entschwand die baronesse- bei morgengrauen- nach frankreich, nämlich paris, wo die pest wütete, und so scheiterte diese liebe an einem holzscheit. oder auch mehreren, aber das ist das wesentliche: sie scheiterte an einem holzscheit.
die baronesse ist ungeliebt verstorben. in ihrem himmelbett ist sie eines tages nicht mehr aufgewacht. ihren schmuck nahmen die hausangestellten mit, so trat sie dem jenseits im nachtkleid gegenüber, sie trug kein korsett, und ihr bauch war aufgedunsen von der pest. so trat sie unheilschwangere dem unheil gegenüber.
der junge adelige ließ alle holzscheiten im ganzen land verbrennen und schwor, dass dieses feuer ewig brennen sollte, in gedenken an die baronesse. währenddessen befand er sich noch in dem glauben, dass die baronesse lebte. die kuriere zu dieser zeit brauchten lange tage, um eine zeitung zu überbringen. (zu dieser zeit befand sich der kurier noch in strasbourg, wo er von zwei schändlichen personen, namentlich gassenmädchen, aufgehalten worden war)
der junge adelige spekulierte indessen darauf, dass die französische baronesse in frankreich vom habsburgerreich die feuer brennen sehen würde. aber die augen der baronesse waren schon in einen anderen zustand getreten, und es ist wohl ein glück, dass der junge adelige diese augen nicht mehr sehen musste, obwohl es wohl sein einziger wunsch war, diese augen noch einmal im schein der feuer leuchten zu sehen, doch diese augen leuchteten schon längst im schimmer der feuchten erde.so hatte sich doch noch eine arme seele gefunden, die diesen noblen körper begraben hatte, allerdings im nachtkleid. und so lernten zu dieser zeit viele menschen, dass man die holzscheiten nicht im keller lagern soll. für gewisse adelige kam diese erkenntnis zu spät.

beschissen

dass sich jeder berufen fühlt zu kommentieren. auch ich.

und das land wird sein

gleich an polen grenzend, ein splitter russland, vielleicht kein echtes russland. wenn wir uns auf der mitte der landkarte befinden, dann möchte ich in den südlichen norden und nicht mehr zurück. ich glaube, dort verbreitet das feuer heißkalte winde, und es gibt keinen kuchen, nur entzündliches steppengras. nur urtümliche gelbgrünbraune teppiche sind auf diesen inseln (weil es inseln sind) ausgebreitet. es ist alles kahl und leer, deswegen spürt man sich selbst umso mehr. es gibt nur kalte grobe stein-auf-stein-häuser, niemand ruft einen an, alle gehen schweigend nebeneinander. sie rennen schnell wie katzen und schauen aus wie nordchinesen mit langen haaren, aber es sind keine. ihre augen sind rund und weiß. ein versehen der zeit (vielleicht ein gähnen) hat ihnen eine lücke geöffnet. sie sind neandertaler. nordchinesen. indianer, eine tiefkultur. wenn die erde keine kugel ist, sondern von einer seite der dreidimensionalität (von vorne: ich kenne nämlich nur eine sicht der welt), aber nicht als gesamtes, in die zweidimensionalität übergeht, dann erstreckt sich irgendwo östlich neben der antarktis (und australien verschiebt sich richtung afrika hin) ein undendliches stück landfläche, viele, viele ha.
dort brodelt die eigentliche sprungfeder der menschheit, die vergeht, bevor die eigentliche menschheit aufersteht. keine urmenschen, sondern vormenschen, untermenschen darf man ja nicht sagen. nur drei farben können sie erkennen und der mensch doch schon tausende: grün wie das gras, gelb wie das gras, braun wie die erde. der himmel hingegen ist immer grau. die sonne ist kalt und tot, aber das feuer quillt aus der erde und quält die herde. es ist ständig kalt. gegen ende ihrer geschichte sterben sie (ist bekannt).
und niemand kennt sie, niemand kennt sie mehr. mit ihrem urtümlichen vieh. hitze und kälte zugleich, und das in hohen dosen. verfilztes haar. fein wie ein spinnennetz. auch hier verfängt sich allerlei ungetier. denn nur ungetier gibt es und vieh (und viech) in dieser unwelt.
niemand kennt sie. ich auch nicht.

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