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Dienstag, 8. Januar 2008

ein anderes leben

gestern habe ich zum ersten mal von meinem abflug geträumt. das heisst, dass das andere leben jetzt aus dem dunkel meines unterbewusstseins herauskriecht und an die pforten meines bewusstseins klopft.
zuerst träumt man einen fernen traum: dass man irgendwann irgendwohin gehen kann. man weiss aber noch nicht, wie und ob das passiert.
später bekommt man handfesteres, orte zur auswahl und ein datum.
dann wählt man einen ort aus. dann ist es nur noch ein jahr. ein jahr dauert lange.
irgendwann weiss man schließlich, dass die äußerlichen umstände gegeben sind, um zu gehen. der abgang wird beschlossen.
dann ruht alles wieder in der ferne. schließlich kommt die zeit, in der man sich um formalitäten kümmern muss. man steckt in einem haufen papier, der einen einzig nicht erdrückt, weil durch das ausfüllen jedes formulares der traum ein wenig näher rückt und sich mehr und mehr erfüllt, und dann hat man ihn schwarz auf weiß, und dann ist er da.
was aber in einem selbst passiert, ist viel eigenartiger. richtig freuen kann man sich nicht auf etwas, das erst in einem jahr passiert, denn die freude ist immer nur so greifbar wie die sache, auf die sie sich bezieht. die freude ist nicht weniger abstrakt als die sache.
dann ist man nur noch ein halbes jahr da, vier monate, drei monate. die freude wird konkreter, aber dann passiert etwas seltsames: das weinende auge gesellt sich zu dem lachenden auge. alles, was man verlassen wird, wirkt noch einmal mit unglaublicher intensität auf einen ein. man denkt jetzt nicht nur daran, was für einen selbst alles anders wird, sondern auch, was hier anders wird und was anders wird dadurch, dass man das hier verlässt und ans dort geht. und man wird sich bewusst, dass zum ankommen auch das verlassen gehört.
dazu gehören vor allem menschen. man verlässt die menschen, bevor man wirklich geht, und sie verlassen einen. es ist nicht so einfach, wie man denkt. man steigt nicht ins flugzeug, und sie winken einem zu. sie sind schon vorher in alle winde zerstreut. dann kommt wieder ein anderes gefühl: jetzt fühlt man sich verlassen.
ich fühle mich schon wie ein fremdkörper in meiner schule, habe das gefühl, dass ich eigentlich gar nicht mehr hier sein darf. ich bin scheu geworden.
jetzt gehöre ich hier nicht mehr her und dort gehöre ich auch noch nicht hin. ich schwebe in leeren tagen zwischen dem hier und dem dort.
der flug ist gebucht, das zimmer ist so gut wie sicher, das visum ist in den händen des konsul sicher gut aufgehoben, formulare werden weiter fleißig ausgefüllt.
ich arbeite an unserer radiosendung und recherchiere über die einzigartige beziehung von musik und drogen. ansonsten hat mich der schweinehund am bein gepackt und will mich nicht ganz loslassen. ich brauche eine struktur, sonst werde ich depressiv. ich brauche abgaben! ich brauche stress! bis montag habe ich zeit.
noch fünf wochen. dann bin ich geschichte, wie die schweizer so schön sagen. und dann beginnt eine gute geschichte.

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