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Donnerstag, 8. Januar 2009

humahuaca – flan de durazno

humahuaca kommt dann, wenn man denkt, hier kann kein dorf mehr kommen und liegt direkt an der höhenkrankheitsgrenze auf 3000 meter höhe. alles, was danach kommt, sind bitterarme indianerdörfer. es ist heiß, weil einem die sonne auf den kopf brennt, aber auch kalt, weil hier ein eisiger wind weht.
ich wohnte in einem kleinen hostal mit innengarten voller kakteen und tontöpfen, in dem weisse unterhosen im wind flatterten. es war drinnen genauso bitterkalt wie draußen. ich war allein mit dem chef, einem breiten, bärtigen, sehr sympathischen mann in gelber windjacke.
in humahuaca gibt es eine treppe, eine kirche aus kaktusholz und eine mechanische heiligenfigur. die treppe ist breit und so hoch, dass einem schwarz vor den augen wird, wenn man sie erklimmt. auf ihr sitzen argentinische tagestouristen, hunde, indianerinnen, die nähen, hippies, die perlen knüpfen und kleine, zerlumpte jungs, die einem gegen ein paar pesos gedichte vortragen.
um gegen zwölf strömen alle besucher des dorfs zur kleinen kirche, denn wenn die glocke schlägt, öffnet sich ein türchen im turm, und der heilige franziskus, eine grimmige holzfigur, hebt den arm und segnet die menge, in wahrheit ist es eine drohgebärde.
sobald es dunkel wird, wird es richtig kalt. ich ging in mein hostal und setzte mich in einen raum mit vielen tischen und stühlen. der chef saß an einem der tische, vor sich eine riesige thermoskanne. er war nicht mehr alleine, in der küche nebenan arbeitete sein freund, ein schmaler, blonder mann, der stets etwas besorgt aussah.
mir ist kalt, sagte ich.
der chef bot mir seine gelbe jacke an.
ich geh nicht mehr raus, sagte ich, ich hab alles gesehen. morgen fahr ich weiter, rüber nach bolivien.
hast du alles gesehen, fragte der chef.
ich glaube schon, sagte ich.
ich will nämlich nicht, dass du dich langweilst, sagte er und schob eine kassette in den videorecorder. das ist eine reportage über die quebrada de humahuaca, die gegend hier, meinte er.
dann goß er heißes wasser aus der thermoskanne in die kalebasse und reichte sie mir. das war das erste mal, dass ich mate getrunken hatte.

eine andere geschichte: mermelada de papaya

wir fuhren weiter nach pisco elqui, tiefer geht es nicht rein ins tal. wir sind nun ganz oben eingebettet in den bergen, jetzt geht es nur noch zu fuß rüber nach argentinien.
wir suchten ein zimmer in psico elqui. überall, an allen häusern, hing ein grünes schild, an dem mit verschnörkelter weisser schrift stand: mistral.
mistral ist laura vicuña, die nobelpreisträgerin, die im valle elqui geboren wurde. pablo neruda kennt jeder, aber laura vicuña ist außerhalb chiles nicht sehr bekannt: sie ist die ruhig strahlende, sanfte schutzheilige der chilenen, der stolz des landes, mitunter verehrt wie die mutter gottes. mistral ist auch eine marke, mistral ist ein pisco. der pisco ist ein sanfter, fruchtiger traubenschnaps, um den zwischen chile und peru schon seit jahrhunderten ein böser streit brennt, der mitunter sogar politische dimensionen annimmt. die peruaner behaupten, den pisco erfunden zu haben, und wollen den chilenen verbieten, den namen pisco zu benutzen, und vice versa. es ist offensichtlich, dass die chilenen im unrecht sind, aber fragen sie die chilenen. an kampfeseifer fehlt es ihnen jedenfalls nicht: das dorf, in dem wir waren, wurde aus protest gegen die peruaner 4000 km weiter nördlich pisco elqui genannt.
wir kamen an ein riesiges, altes haus mit weißen rosen davor. die tür stand offen, wir traten ein, von tief drinnen hörte man kinderlachen, es herrschte eine gepflegte unordnung, die räume waren hoch, die flure tief. ein kleiner, dicker junge kam uns entgegen, an die wand gedrückt. wir fragten ihn, ob sie ein zimmer frei hätten.
ich frage meine mutter, sagte er und verschwand in den tiefen des hauses. wir hörten lautes gerede, dann kam er wieder. es ist nichts mehr frei, sagte er.
als wir wieder hinausgingen, sagte ich: dieses haus würde ich gerne kaufen.



decamerone

am nächsten morgen war die dunkel-mystische atmosphäre einem unschuldig-zauberhaften glanz gewichen. schmale, mit stein gepflasterte wege und stufen schlangen sich durchs gras, überall blühte es und grünte es üppig, ein kleines paradies lag einem beim frühstück zu füßen.
die sonne schien durch die veranda, und es gab ein buffet mit selbstgebackenem brot, echter, in wasser gekühlter butter, sogar eine wurstplatte und käse gab es, außerdem manjar und zwei sorten marmeladen.
vor dem fenster stand ein strauch mit handtellergroßen, weißen blüten. ich probierte die marmelade und konnte nicht sagen, was es war, zuerst dachte ich, es wäre ananas, sie schmeckte fruchtig, weich und etwas karamelig. wir konnten es nicht sagen, also fragen wir nach. sie kam an unseren tisch, ich deutete auf die marmelade, sie hob die augen, sah etwas, lächelte und zeigte nach draußen.
vor einer dieser riesigen blüten schwebte ein kolibri. seine flügel bewegten sich so schnell auf und ab, dass sie einem vor den augen verschwammen, und er war so winzig wie ein insekt, vor allem, weil er seine nase in eine besonders große blüte steckte.
mermelada de papaya, sagte sie, casera! hausgemachte papayamarmelade. ich hatte noch nie einen kolibri gesehen. in diese marmelade ist der ganze tageszauber dieses tales eingekocht, all die früchte und pflanzen, die kleinen vögel, die blumen am wegesrand, die kleinen blumen im großen tal.

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