das valle elqui – churrasco
wir gingen einen langen weg. wir fuhren durch die staubigen berge, hoch oben wir im mond, nur steine und riesige sandgesteintürme. wir waren allein, tausendabertausendmal kleiner als die berge, die uns kilometerweit umgaben. wir waren weit weg von allem, weit weg von den großen, glitzernden städten la serena und santiago, weit weg vom meer...und doch war es das meer, das den himmel hier oben reinigte, und es war die weite entfernung der städte, die den himmel so rein hielt, dass es keinen anderen ort auf der welt gibt, an dem die sterne so hell und so klar leuchten wie in diesem hochgelegenen, einsamen tal.
die sandstraße schlängelte sich einsam durch die berge, mal schnurgeradeaus, kilometerweit, dann wieder in serpentinen rauf und runter. nur ab und zu fuhren wir an einer estancia vorbei, ein paar grüne felder, ein schild, auf dem stand, dass es hier gemüse gab, und vor allem: wasser und brot.
wir fuhren stundenlang. als die sonne unterging, holte ich die kleine dose aus dem handschuhfach und drehte einen joint aus duftendem, aromatischem chilenischem gras. ich öffnete das fenster und zündete ihn an, während die sonne hinter der berglandschaft verschwand.
plötzlich verschwand das gelbe der berge. es wurde dunkel. wie die sonne abgeblättert war von den bergen, wurde die welt plötzlich grausam. es gab kein licht mehr in der welt außer den scheinwerfern des jeeps und den sternen, den fernen...die berge wurden zu schwarzen schatten, alle miteinander verschmolzen und auch verschmolzen mit dem boden, eine riesige schwarze masse, und wir, ameisen. man fragte sich, was drin war in ihnen. ich begriff, was größe war. groß, riesig, enorm, mächtig.
plötzlich hielt der wagen an, und er stieg aus und ging ins dunkel, bis ich ihn nicht mehr sah. ich wusste nicht, was er tat. er sprach nicht mit mir. ich ging ihm nach, und er stand da und schaute hangaufwärts und schaute nur. ich hatte angst, dass jemand kommen würde. es war gefährlich hier, es gab kein haus, keinen menschen, kein licht, kein strom, kein netz, kein wasser, kein wegweiser, kein stern war mehr am himmel zu sehen, nur in der ferne leuchteten die scheinwerfer des jeeps. ich war noch nie so allein gewesen in der welt. kilometerweit weg von allen menschen, nur allein mit diesem menschen. und doch fürchtete ich, dass jemand eindringen würde. ich fürchtete die abwesenheit des beobachtetenden dritten. es ist immer einer, der angreift, und der dritte, der beobachtet und eingreift, wenn der zweite den ersten angreift.
endlich kamen lichter, kleine laternen, ein dorf schälte sich aus dem ewigen gestein. ovalle!
eine schmale straße, hoch oben in den bergen, tief in den tälern, links und rechts kleine häuser, leuchtende fenster, winzige, vollgestopfe läden, bunte schilder, dunkle nacht.
wir hielten, nein, jetzt bin ich wieder dort, wir halten an einem kleinen restaurant, ein terrasse, bunt geschmückt, es ist dunkel, dunkle nacht, und es ist sehr heiss, oder ist es kühl hier oben? nein, das tal ist heiss, und wir gehen hinein, hellblaue wände, flackernde lichter an den wänden, eine dicke, kleine frau mit schwarzem, glänzendem haar und einer schürze kommt uns entgegen.
esta abierto, fragen wir?
natürlich, natürlich ist offen, antwortet sie und führt uns in einen raum, ein paar tische, mit spitzendeckchen gedeckt, obendrauf der metallbecher mit den papierservietten, dunkelgrüne plastikstühle, auf denen cristal steht, das bier, dass die ganzen chilenen hier saufen, eine theke voll mit bier und coca cola, laute musik, wir sind ganz allein, da ruft einer, dass es mich fast vom hocker reisst, aus dem halbdunkel der bar, wo ich niemanden erwartet hatte.
hinter der theke steht ein mann, halb im licht, halb im dunkel.
que quieren beber, ruft er, der alte hund, den mund voller goldzähne, eine eiskalte cola oder lieber ein kühles cristal?
wir nehmen das cristal, er bringt es sofort. dann kommt die dicke frau wieder und zählt auf, was es zum essen gibt, viel ist es nicht. papas fritas, ensalada a la chilena, ensalada verde, hamburguesa, churrasco.
wir nehmen einen churrasco, und ich sage euch, nach einer stundenlangen autofahrt, dazu ein kaltes bier, gibt es nichts besseres als einen saftigen churrasco. wenn er auf dem tisch steht, gehen einem die augen über, und der magen schreit.
ein richtig guter churrasco italiano ist etwa so breit wie vier brötchen, im quadrat, versteht sich.
man schneidet also das riesenbrot auf, weiss muss es sein und ganz weich und frisch. hinein kommt ein frisches gebratenes rindsfilet, so dünn wie möglich geklopft, dann ein paar frische tomatenscheiben, avocadopürree, ketchup und mayonnaise. das tüpfelchen auf dem i ist aber eindeutig das avocadopürre, ohne dessen saftigem grün der churrasco bloß rot-braun wäre. so ein feines, üppiges ding, dass man dazu noch überall bekommt, gibt es selten auf dieser welt, diese ausgewogenheit aus fettheit und sanftheit, aus saftigkeit und weichheit, feinheit und grobheit, aus tier und aus pflanze, delikatestes fastfood, das die reinen produkte der chilenischen felder mit aus dem norden amerikas importierter esskultur verschmelzen lässt und zu dem außer pommes, bier und cola nichts passt.
die sandstraße schlängelte sich einsam durch die berge, mal schnurgeradeaus, kilometerweit, dann wieder in serpentinen rauf und runter. nur ab und zu fuhren wir an einer estancia vorbei, ein paar grüne felder, ein schild, auf dem stand, dass es hier gemüse gab, und vor allem: wasser und brot.
wir fuhren stundenlang. als die sonne unterging, holte ich die kleine dose aus dem handschuhfach und drehte einen joint aus duftendem, aromatischem chilenischem gras. ich öffnete das fenster und zündete ihn an, während die sonne hinter der berglandschaft verschwand.
plötzlich verschwand das gelbe der berge. es wurde dunkel. wie die sonne abgeblättert war von den bergen, wurde die welt plötzlich grausam. es gab kein licht mehr in der welt außer den scheinwerfern des jeeps und den sternen, den fernen...die berge wurden zu schwarzen schatten, alle miteinander verschmolzen und auch verschmolzen mit dem boden, eine riesige schwarze masse, und wir, ameisen. man fragte sich, was drin war in ihnen. ich begriff, was größe war. groß, riesig, enorm, mächtig.
plötzlich hielt der wagen an, und er stieg aus und ging ins dunkel, bis ich ihn nicht mehr sah. ich wusste nicht, was er tat. er sprach nicht mit mir. ich ging ihm nach, und er stand da und schaute hangaufwärts und schaute nur. ich hatte angst, dass jemand kommen würde. es war gefährlich hier, es gab kein haus, keinen menschen, kein licht, kein strom, kein netz, kein wasser, kein wegweiser, kein stern war mehr am himmel zu sehen, nur in der ferne leuchteten die scheinwerfer des jeeps. ich war noch nie so allein gewesen in der welt. kilometerweit weg von allen menschen, nur allein mit diesem menschen. und doch fürchtete ich, dass jemand eindringen würde. ich fürchtete die abwesenheit des beobachtetenden dritten. es ist immer einer, der angreift, und der dritte, der beobachtet und eingreift, wenn der zweite den ersten angreift.
endlich kamen lichter, kleine laternen, ein dorf schälte sich aus dem ewigen gestein. ovalle!
eine schmale straße, hoch oben in den bergen, tief in den tälern, links und rechts kleine häuser, leuchtende fenster, winzige, vollgestopfe läden, bunte schilder, dunkle nacht.
wir hielten, nein, jetzt bin ich wieder dort, wir halten an einem kleinen restaurant, ein terrasse, bunt geschmückt, es ist dunkel, dunkle nacht, und es ist sehr heiss, oder ist es kühl hier oben? nein, das tal ist heiss, und wir gehen hinein, hellblaue wände, flackernde lichter an den wänden, eine dicke, kleine frau mit schwarzem, glänzendem haar und einer schürze kommt uns entgegen.
esta abierto, fragen wir?
natürlich, natürlich ist offen, antwortet sie und führt uns in einen raum, ein paar tische, mit spitzendeckchen gedeckt, obendrauf der metallbecher mit den papierservietten, dunkelgrüne plastikstühle, auf denen cristal steht, das bier, dass die ganzen chilenen hier saufen, eine theke voll mit bier und coca cola, laute musik, wir sind ganz allein, da ruft einer, dass es mich fast vom hocker reisst, aus dem halbdunkel der bar, wo ich niemanden erwartet hatte.
hinter der theke steht ein mann, halb im licht, halb im dunkel.
que quieren beber, ruft er, der alte hund, den mund voller goldzähne, eine eiskalte cola oder lieber ein kühles cristal?
wir nehmen das cristal, er bringt es sofort. dann kommt die dicke frau wieder und zählt auf, was es zum essen gibt, viel ist es nicht. papas fritas, ensalada a la chilena, ensalada verde, hamburguesa, churrasco.
wir nehmen einen churrasco, und ich sage euch, nach einer stundenlangen autofahrt, dazu ein kaltes bier, gibt es nichts besseres als einen saftigen churrasco. wenn er auf dem tisch steht, gehen einem die augen über, und der magen schreit.
ein richtig guter churrasco italiano ist etwa so breit wie vier brötchen, im quadrat, versteht sich.
man schneidet also das riesenbrot auf, weiss muss es sein und ganz weich und frisch. hinein kommt ein frisches gebratenes rindsfilet, so dünn wie möglich geklopft, dann ein paar frische tomatenscheiben, avocadopürree, ketchup und mayonnaise. das tüpfelchen auf dem i ist aber eindeutig das avocadopürre, ohne dessen saftigem grün der churrasco bloß rot-braun wäre. so ein feines, üppiges ding, dass man dazu noch überall bekommt, gibt es selten auf dieser welt, diese ausgewogenheit aus fettheit und sanftheit, aus saftigkeit und weichheit, feinheit und grobheit, aus tier und aus pflanze, delikatestes fastfood, das die reinen produkte der chilenischen felder mit aus dem norden amerikas importierter esskultur verschmelzen lässt und zu dem außer pommes, bier und cola nichts passt.
bia - 7. Jan, 16:34